Umbau einer Peco-Weiche in HO, Code 75
von Mathias König, Bernd J. Loos und Martin Balser

Die Beweggründe

Das Peco-Gleissystem in Code 75 überzeugt vor allem durch sein feines Profil mit 1,9mm Schienenhöhe und die für Industrieweichen großzügigen Radien. Auch der Schienenkopf bleibt z.B. dem Roco-Line-Code 83-Gleis (das den Eindruck der UIC 60-Schiene wiedergibt) gegenüber zierlich, was viel zum Eindruck der in früheren Epochen und auf untergeordneteren Strecken verwendeteten leichteren Profile S 49 und S 54 beiträgt.
Wegen des Systemwinkels von 12° sind Gleisentwicklungen relativ platzsparend, die "lange" Weiche mit einem Radius von 1524mm (=5 ft.) mit durchgehendem Bogen im Herzstück wirkt trotzdem sehr elegant. Die "mittlere" Weiche mit 914mm (=3 ft.) Abzweigradius erlaubt noch kürzere Entwicklungen. Man kann, wie beim Vorbild, die Weichen mit großem Radius (EW 49-300-1:9) in die Zugfahrstraßen einbauen und die kürzeren (EW 49-190-1:9) als Rangierweichen vorsehen [1].
Der Herzstückbereich ist im Vergleich zu anderen gängigen Systemen sehr gut gestaltet, hier ist eine Veränderung nicht unbedingt erforderlich. Kleineisen und Schwellenlage entsprechen nicht dem deutschen Vorbild, was aber nicht allzu tragisch ist, da man die Schienenbefestigungsmittel nur aus nächster Nähe unterscheiden kann und die Schwellenlage nicht so stark auffällt, wenn das Gleis erst einmal eingeschottert und lackiert ist [2].
Wichtige geometrische Grundeigenschaften, wie das Vorhandensein von je einer Weichenform mit geradem Herzstück und Bogenherzstück zum Systemwinkel passend, haben die Peco-Ingenieure jedoch bedacht. Einziger störender Punkt ist nun noch die unförmige Federmechanik, die aber zum Betrieb des Peco-Magnetantriebes gebraucht wird. Während andere Antriebe z.B. durch eine Kulissenmechanik dafür sorgen, daß die Zungen in Endlage bleiben, hat Peco diese Festhaltefunktion auf die Weiche übertragen. Der Antrieb ist nur in der Lage, die Zungen umzustellen, aber nicht festzuhalten. Deshalb ist davon abzuraten, die Peco-Antriebe an andere Weichen anzuschließen, denn die Zungen können zurückprallen. Das Vorbild für die die Feder beherbergenden Plastikteile ist der Weichenverriegelungsmechanismus der englischen Stellwerksbauart Sykes [3].
Dieser Bereich sollte unbedingt verändert werden, wenn man ein deutsches Vorbild nachbilden will. Dies soll hier im Rahmen eines Umbauvorschlages für einfache Weichen geschehen.

Vor dem Umbau

Der Umbau des Zungenbereiches

Zahlen in Klammern, z.B. (1), beziehen sich auf die entsprechend markierten Stellen in der Zeichnung. Zuerst werden die Feder und alle Kleinteile entfernt, das Schwellenband auf Höhe der "Stellschwelle" getrennt und das kurze Stück Schwellenrost abgezogen. Von diesem Stück lassen sich nur die ersten beiden Schwellen wiederverwenden. Sie werden abgetrennt und aufgehoben (1). Jetzt wird vorsichtig die "Stellschwelle" entfernt, so daß die "Ausbeulungen" (2) in den Zungen, mit denen die "Stellschwelle" vergossen ist, nicht aufgebrochen werden. Die Schwelle nach der "Stellschwelle" schneidet man auf Normalmaß zurück (3). Für das neue Stelleisen verwendet man einen isolierten Draht. In die Ausbeulungen der Zungen wird jeweils ein abisoliertes Stück Draht eingelötet, so daß zwischen zwischen den beiden Drahtenden ein etwa 4mm breiter Spalt als elektrische Trennung entsteht (4). Die Drähte werden mit einem Stück Isolierung verbunden (leider etwas fummelig). Dabei muß auf einen Zungenaufschlag (Abstand zwischen Backenschiene und Zunge) nach NEM vom mindestens 1,95mm geachtet werden [4]. In die Mitte der Isolierung sticht man ein Loch für den Stelldraht (5). Nach Aufschieben des zur Seite gelegten Schwellenstückes (1) mit der Schwelle ohne Kleineisen voraus und Festkleben desselben, wobei auf geraden Gleisverlauf geachtet werden muß, ist der Zungenbereich fertig. Statt des beiseite gelegten Stückes (1) kann man auch vier Schwellen des Flexgleisrostes nehmen, wobei die Kleineisen der ersten Schwelle abgetrennt werden müssen. Eine weitere Alternative ist, das Stelleisen aus Kunststoff zu belassen und es mit Skalpell und Feile in eine vorbildgerechte Form zu bringen. Es darf dann seitlich nur wenig über die Backenschiene überstehen und muß zwischen den Zungen bis auf den runden Querschnitt verjüngt werden. Die Öse für den Stelldraht bleibt dabei stehen. Die so bearbeitete "Stellschwelle" sieht dann etwa aus wie ein durchgehendes Stelleisen, bei der ersten Variante erhält man eine isoliertes Stelleisen, wie es bei Weichen mit Gleisstromkreis erforderlich ist [5]. Eine weitere Möglichkeit, die Stellschwelle zu beseitigen, ist in [6] beschrieben.

Verjüngen der Stellschwelle

Das Herzstück

Das serienmäßige Herzstück ist bereits eines der besten, die man bei Industrieweichen findet. Es kann auch von RP25- Radsätzen ohne Holpern befahren werden. Andere Systeme wie z.B. Roco-Line arbeiten mit einem Spurkranzauflauf, der eine festgesetzte Spurkranzhöhe verlangt. Diese konstruktive Abweichung vom Vorbild wird durch die NEM [4] gestattet und beschert uns sowohl hohe Spurkränze als auch unbefriedigende Herzstücke bei vielen Industrieprodukten.
Wenn man mit dem Vorhandenen zufrieden ist oder den Arbeitsaufwand begrenzen möchte, kann das Herzstück unverändert belassen werden. Eine Verfeinerung ist jedoch anzuraten und folgendermaßen zu erreichen:
Zunächst wird die Herzstückverdrahtung von den zum Herzstück führenden Schienen entfernt (7). Dabei sind nur die Anschlüsse an den Herzstückspitzen zu entfernen, die Verbindungen zu den Flügelschienen werden noch gebraucht. Die beiden Herzstückspitzen werden mit einer Zange vorsichtig herausgehebelt. Mit einer Kleinbohrmaschine fräst man den Herzstückbereich (Kunststoffspitzen (8) usw.) frei und entfernt die Längsstege, die die alten Herzstückspitzen justierten, damit nach dem Einschieben der neuen Schienen die Schienenoberkanten übereinstimmen. Mit einem Stück Schiene mit scharfkantigem Fuß werden durch gewaltsames Einschieben in den Schwellenrost die letzten Reste entfernt. Unter Umständen werden hierbei die Kleineisen etwas in Mitleidenschaft gezogen, das fällt aber später nahezu nicht mehr auf. Wenn die letzte abgewinkelte Schwelle stört, kann sie nun auch abgeschnitten werden. Die Kunststoffverbindung (9) zwischen den Schwellen nach den Flügelschienen wird mit einem Messer entfernt. Für das neue Herzstück werden zwei Schienenstücke abgelängt, im entsprechenden Winkel angeschliffen und in das Schwellenband eingeschoben. Zum Anschleifen der Profile kann eine Schleifmaschine verwendet werden (kühlen!), aber auch mit einer Kleinbohrmaschine mit Schleifscheibe oder einer Feile lassen sich die Schienen anspitzen. Wer entsprechend ausgerüstet ist, kann auch eine Fräsmaschine benutzen - das geht unter Benutzung einer Vorrichtung am schnellsten. Die Herzstückschienen klebt man dann mit Sekundenkleber fest. Es ist darauf zu achten, daß die Spitzen gut schließen, die Schienenoberkanten auf gleicher Höhe liegen, die Spurweite mindestens 16,5mm beträgt und die Spurrillenweite höchstens 1,3mm ist [4]. Wenn man möchte, kann man auch noch beide Spitzen miteinander verlöten.

Abtrennen der abgewinkelten Schwelle

Die Verdrahtung

Wurde das Herzstück verändert, so ist jetzt zunächst ein Draht im freigeschnittenen Bereich (12) an die beiden Herzstückschienen anzulöten (10). Der vorher vom Herzstück abgelöste Draht (11) zu den Flügelschienen wird dazugelötet. Bei der Originalschaltung von Peco sind beide Zungen elektrisch mit dem Herzstück verbunden. Die an der Backenschiene anliegende Zunge versorgt das Herzstück mit Strom, die abliegende Zunge hat dadurch aber andere Polung als die zugehörige Backenschiene. Es könnte vorkommen, daß ein Radsatz an die Zunge stößt, diese beiden Pole verbindet und einen Fahrstromkurzschluß herbeiführt oder die Stromversorgung des Herzstückes über die Zungen nicht einwandfrei funktioniert. Dies wird verhindert, indem Zungen und Herzstück getrennt versorgt werden. Dazu hebelt man mit einem Schraubendreher die Verbindungen (auf der Unterseite) (13) heraus. Bei älteren Weichen sind noch keine Trennungen vorgesehen, man muß den Trennschnitt selbst anbringen. Die Zungen verbindet man nun mit der zugehörigen Backenschiene, indem man Drahtbrücken in die vier vorhandenen Lücken lötet (14). Bei älteren Weichen müssen auch diese Lücken erst geschaffen werden. Zur sicheren Stromversorgung der Zungen sollten die Gelenke mit dünnem Draht überbrückt werden (15). Solche Drahtbrücken findet man auch beim Vorbild an Weichen, die mit einem Gleisstromkreis ausgerüstet sind. Auf alle Fälle muß das Herzstück nun über einen Umschaltkontakt des Weichenantriebs mit Fahrstrom versorgt werden, also in herkömmlicher Weise polarisiert werden.

Schritt 14: Verbinden der Backen- und Zwischenschienen

Abschlußarbeiten und Schlußbemerkung

Nun wird noch die Weichenlaterne Weinert Nr. 7238 montiert. Eine Laterne für Außenbogenweichen ist leider nicht in dieser Ausführung lieferbar, hier muß man auf Nr. 7222 mit Unterflurmechanik zurückgreifen. Wünscht man Beleuchtung, so sind Nr. 7219 bzw. Nr. 7221 nach Anleitung einzubauen. Bei der direkt angesteuerten Laterne Nr. 7238 genügt es, die Laterne gemäß Anleitung zu montieren und ein Loch für die entsprechend gebogene Laternenstellstange in das Stelleisen zu bohren. Genaue Hinweise über die Anbringung von Laternen, Antrieben, Zwischenverschlüssen usw. findet man bei [5]. Die Weiche ist nun fertig für den Einbau ins Modul und wirkt um einiges eleganter als vor dem Eingriff.

Das Ergebnis nach Anbau der Weinert-Laterne

Werkzeuge und Material

- Kleinbohrmaschine mit Fräsern, Trennscheibe und evtl. Schleifscheibe
- Feilen, evtl. Schleifbock oder Fräsmaschine
- Lötkolben und Lötzinn
- Pinzette, Skalpell oder Bastelmesser, Nadel
- Bohrer 0,5mm, Zange
- isolierter Draht (passend für Stelleisen)
- Gleisprofil Code 75 (aus Flexgleis entnommen)
- Kupferlackdraht 0,15mm
- Sekundenkleber

Literaturverzeichnis
[1] Thomas Becker, Weichen - lange und kurze, Miba 9/94, S. 68ff.
[2] Klaus Spörle, Achtung Gleisbau! Teil 6, EK 5/91, S. 88ff.
[3] H. Raynar Wilson, Power Railway Signalling, S. 324, Reprint
[4] Normen Europäischer Modellbahnen, verbindliche Normen 124 und 310
[5] Stefan Carstens, Mechanische Stellwerke, Miba Report 11, Abb. 55 u. 11
[6] Bertold Langer, Tod der Stellschwelle!, Miba Spezial 25, S. 56f.

mbalser 19. 12. 1996