FREMO

Freundeskreis Europäischer Modellbahner eV.

11.11.2002

FREMO Herbsttreffen
Hammelburg 30.10.-03.11.2002

Presseecho

01.11.2002 15:42

Der Traum vom Lokführer auf der Reichsbahn

Hammelburg Abfahrt 1207 Uhr. Die Reichsbahnlok Nr. 118 im Bahnhof Sonnenzella wartet auf das Ausfahrsignal. Die Strecke führt über Wilzschau nach Lauschbach. Fahrplanmäßige Ankunft dort ist um 13 Uhr.


Foto: FOTO IRENE SPIEGEL

Die Uhr zeigt bereits 1330 Uhr, Lokführer Justus Willberg wird langsam nervös. "Kollege ich muss raus", ruft er dem Fahrdienstleiter zu, der noch die Wagenkarten und Frachtpapiere sortiert. Um 1331 Uhr endlich kommt das Abfahrtssignal. Der blonde Hüne am Lokführerstand strahlt. Langsam steuert er seinen Güterzug aus dem Bahnhof, danach darf er richtig Gas geben.

Eisenbahnfahren ist der Traum vieler Kinder. Die rund 100 Modellbahner vom Freundeskreis Europäischer Modellbahner (Fremo), die von Donnerstag bis morgen noch in der Hammelburger Saaletalhalle gastieren, haben ihn sich mit ihrem Hobby erfüllt. Zweimal im Jahr kommen sie zusammen, um gemeinsam Eisenbahn zu fahren. "Es ist ein ganz tolles Gesellschaftsspiel für viele Leute, das riesig Spaß macht", begründet Justus Willberg seine Begeisterung für dieses Hobby. Im wirklichen Leben ist er Musiker. Doch schon als kleiner Bub träumte er von einer Karriere als Lokführer. Jetzt hat er sich den Wunsch erfüllt und fährt bei den regelmäßigen Modellbahner-Treffen mit der Reichsbahnlok oder der DB-Bahn quer durch ganz Deutschland - natürlich nur im Modell. Das jedoch ist so realistisch wie der richtige Bahnverkehr. So sind nicht nur die einzelnen Strecken naturgetreu nachgebaut, sondern der gesamte Modell-Zugverkehr läuft wie im Großbetrieb ab. Fahrpläne und Dokumente des Frachtverkehrs gehören deshalb genauso zum Eisenbahnspiel wie das ordnungsgemäße Melden der Züge. Das geschieht - wie in echt - per Telefon von Bahnhof zu Bahnhof.

In diesem Moment klingelt auch schon im Bahnhof Wilzschau das Telefon. Hier muss Lokführer Willberg den Silowagen mit Kalk und einen Waggon mit Kunstdünger abkoppeln, außerdem einen neuen Waggon mit Papier aufnehmen. Beim Rangieren wäre schier der Zug entgleist, außerdem treten noch technische Probleme auf. Nach einer halben Stunde Aufenthalt - in Wirklichkeit sind gerade mal ein paar Minuten vergangen - geht's dann endlich weiter Richtung Zielbahnhof Lauschbach.

Justus Willberg gehört zu den Anfängern bei den Modellbahnern, obwohl er schon seit seiner Kindheit von diesem Hobby fasziniert ist. "Ich habe viel geplant und riesige Gleispläne mit tausenden von Weichen entworfen", schmunzelt der sympathische junge Mann über seine hehren Pläne. Zur Zeit baut er seine erste Strecke. Es sind exakt 92 Zentimeter Schiene, ohne Weiche und jeglichen Schnickschnack, denn "Modellbau ist nicht so einfach". Inzwischen ist der Güterzug mit einer Stunde Verspätung um 14 Uhr im Zielbahnhof eingefahren. In Wirklichkeit wäre das Mittagessen jetzt kalt. Tatsächlich sind nur ein paar Minuten vergangen und Justus Willberg kommt noch rechtzeitig zum Mittagstisch.

Von unserem Redaktionsmitglied Irene Spiegel