FREMO

Freundeskreis Europäischer Modellbahner eV.

31.05.2000

H0e SchmalsPUR oder absolute Massstäblichkeit

von Klaus Weibezahn

Der gute Willy Kosak scheint schon die richtige Nase gehabt zu haben, als er H0-pur® propagierte. In England ist das zwar mit Proto:87 schon seit mehr als 30 Jahren (!) ein alter Hut, aber das jetzt auch zunehmend im Model Railroader Artikel über Weichenselbstbau von N-Weichen (Oktober '98)und zuletzt sogar über Fine-Scale und Proto:Scale erschienen (November '98) heisst für mich nur: Da wird sich in zunehmendem Masse etwas tun, und wer zu spät kommt, ............ (den Spruch hätte der Gorbatschow eigentlich als Gebrauchsmuster anmelden sollen, er trifft halt so oft den Kern der Sache!) ........ verpasst den Zug.

Zu sehen ist dies ja auf dem anderen Gebiet der Digitalen Steuerungssysteme - nicht umsonst kommt hier die erste Normung von der NMRA, und die Europäer mussten nachziehen.

Nur wie?

Dass Leute, deren Hobby das Sammeln von Triebfahrzeugen ist, sich hier aus mehreren Gründen sehr schwer tun ist klar:

Modulbahner haben es da im Allgemeinen leichter, da man mit relativ geringem Aufwand mal ein neues Versuchsmodul bauen kann, und nicht eine ganze Anlage neu errichten muss. Nur - Module haben erfahrungsgemäss eine sehr hohe Lebensdauer, denn eine komplette Anlage wird meist auch total abgerissen, wenn sie einem nicht mehr gefällt, Module werden meist verkauft und von jemand anderem weiter genutzt.

Obige drei Punkte gelten für H0-Normalspur - bei Schmalspur sind andere Lösungen denkbar, von dem heutigen NEM-Standard über Fine-Scale einfacher nach H0e SchmalsPUR oder H0m SchmalsPUR zu gelangen! In gewissen Grenzen scheint sogar ein Parallelbetrieb NEM mit SchmalsPUR und genau massstäbliche Fahrzeuge mit SchmalsPUR möglich zu sein! (Voraussetzung sind vor allem im Bereich des Herzstücks und der danebenliegenden Radlenker wirklich genau (!) gebaute Selbstbauweichen nach NEM dann ist ein uneingeschränkter Parallelbetrieb möglich.)

Zudem ist die Umstellung der Fahrzeuge oft einfacher, weil die meisten Schmalspurbahner schon von vornherein nicht so viele Fahrzeuge haben, wie die normalspurigen Kollegen.

FREMO- und ARGE-Schmalspur-Mitglieder werden meine Ausführungen zu H0e SchmalsPUR schon kennen. Sie werden im folgenden durch Überlegungen zu H0m- und H0n2-SchmalsPUR ergänzt.

Als begeisterter Schmalspur-Anhänger der Spurweiten H0e (Lenz-Bahnen im Allgemeinen, der Gartetalbahn, der Kreisbahn Osterode-Kreiensen und der Jagsttalbahn) und H0m (Lenz-Bahnen) hatten mich schon immer die viel zu breiten 'Walzen' - andere Leute sagen Räder dazu - der Fahrzeuge gestört. Je kleiner der Raddurchmesser, desto grösser wird der prozentuale Anteil der unzulässigen - und m. E. zu einem Gutteil auch unnötigen - Radverbreiterungen. Was bei einer 01 optisch noch angehen mag (ja lieber Willy Kosak, ich weiss, es sieht unmöglich aus), ist bei einer Lenz Typ 'Mh' mit ihren viel kleineren Rädern kaum noch akzeptabel.

Darüber hinaus habe ich schnell festgestellt, dass man als Schmalspur-Modelleisenbahner gezwungen ist, seine Weichen und Schienen selbst zu bauen. Hierfür gibt es zwei Gründe:

Nur Lenz-Weichen mit amerikanischer Schwellenlage, wie ich sie benötige, fertigt kein Hersteller - mit Code 40 Schienenprofilen (1,0 mm), welche beim Vorbild der S20 Schiene entspricht. Dieses Profil ist auch bei m-spurigen Bahnen zum Einsatz gekommen meist wurde dort aber später das S24 bzw. S33er profil verwendet, was im Maßstab 1:87 durch das Code 55 Gleis (1,4 mm) dargestellt werden kann.

Kontakte zu der sehr innovativen N-Gruppe des FREMO (H. Furche berichtete schon mehrfach über deren auch ihn prägende Wirkung!), führten zum totalen Selbstbau der Weichen - heute brauche ich zum Bau einer Weiche ca. 3 Stunden.

1995 stellte J.Emmermann die ersten N-Fine-Scale Radsätze mit 1,3 mm Radbreite vor, welche die N-Loks sehr fein und zierlich wirken lassen. Diese Radsätze erfordern natürlich - wie H0-pur® - neue Weichen und sind mit dem bisherigen Material nicht mehr kompatibel:

Und genau das ist bei H0e/m/n2-SchmalsPUR nicht der Fall, da hier das Radsatzinnenmass gleich bleiben kann und damit die Spurweite angepasst wird, auf 8,6 mm für H0e, 11,6 mm für H0m und auf 7,0 mm für H0n2.

Warum diese Spurweite? Was hat das für weitere Konsequenzen für die Fahrzeuge?

Ohne weitere detaillierte Erläuterungen stösst man hier hier meist auf Unverständnis. An den Abmessungen für H0e-Schmalspur sei dies einmal erläutert:

Mit dem Ziel, das Mass WF (und damit auch FC) zu verringern, werden bei den Fahrzeugen nicht allein die Höhe der Spurkränze abgedreht, sondern zuerst die Räder um je 0,2 mm hinterdreht. Diese Arbeit muss nicht die ganze Radrückseite einbeziehen - nur wenige 1/10 mm kleiner als der Laufkreisdurchmesser reicht schon. Neben einer Verschmälerung der Spurkränze erzielt man als Nebenergebnis dieser Arbeit die erwünschte reduzierte Spurkranzhöhe. Der jetzt noch spitze Spurkranz wird mit einer Feile verrundet - ich weiss, H. Teichmann würde das mit einem Spezialwerkzeug machen, aber der hat auch 'ne Maschine von B&L und nicht 'ne olle EMCO-Unimat 1. (In Zukunft wird ein H0-pur® Drehstahl zum Herstellen der Räder aller 3 genannten Spurweiten (!) verwendet.)

Jetzt werden die Räder wieder aufgezogen und auf das Radsatzinnenmass BB von 7,6 mm (H0e) eingestellt. Die neue - richtig massstäbliche - Spurweite für die Gleise von 8,6 mm (H0e) ergibt sich dann automatisch.

In einem ersten Schritt können die Radlaufflächen selbst vorerst einmal so breit (=zu breit) bleiben, wie sie waren. Damit kann man dann z. B. alte und neue Module mit 8,6 mm und 9,0 mm Spurweite zusammen betreiben, d. h. die Fahrzeuge mit den abgedrehten Spurkränzen fahren weiterhin über die alten 9,0 mm Selbstbauweichen - und gerade dies würde nicht funktionieren, wenn man die Spurweite gelassen hätte und damit das Radsatzinnenmass vergrössern würde. Dann stände man vor den gleichen Problemen, wie bei N-Fine-Scale oder H0-pur®.

Ziel ist letztendlich die Reduzierung der Radbreite auf das zulässige Minimum und dabei ergeben sich folgende Masse:

Vergleich der Radbreite am Beispiel H0e

  Vorbild 1:87 NEM H0e-Schmal-sPUR  
DIN 1576

105 1,18 2,30 1,55 Radbreite (mm)
    -- +95 % +31 % Abweichung (ca. %)
DIN 1575 115 1,32 2,30 1,55 Radbreite (mm)
DIN 1576 -- -- +74 % +17 % Abweichung (ca. %)
DIN 1575 125 1,44 2,30 1,55 Radbreite (mm)
DIN 1576 -- -- +60 % +8 % Abweichung (ca. %)

Am weitesten verbreitung fanden Räder mit 115 und 125 mm Breite. Die Breite von 105 mm wurd z. B. bei den HF-Loks verwendet, die auch auf 600 mm Spurweite umgespurt werden konnten. Bei Verwendung eines H0-pur® - Drehstahls heisst das, dass sich eine Radbreite von 8 - 17 % Übermass ergibt, unter der Voraussetzung, dass man noch NEM-Selbstbauweichen befahren will. Schliesst man dies aus, spricht nichts gegen eine absolut massstäbliche Radbreite.

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass mehrachsige Triebfahrzeuge mit 1,55 mm Radbreite noch über BEMO-Weichen fahren - zweiachsige Fahrzeuge holpern allerdings sehr stark. Bei NEM-Selbstbauweichen ist darauf zu achten, dass die Herzstücke wirklich lang und spitz genug sind (!), um ein "Hineinfallen" und ggfs. Umkippen der Fahrzeuge in die Lücke vor dem Herzstück zu verhindern.

Das 8,6 mm im Massstab 1:87 genau 750 mm sind, hat sich übrigens als Zufall ergeben. Mit der Reduzierung der Spurweite sind natürlich die Freunde aus dem Siebengebirge, welche eine sehr schöne und grosse Modulanlage besitzen, aus nachvollziehbaren Gründen nicht einverstanden. Deren Vorbild hatte nämlich 785 mm Spurweite und damit im Massstab 1:87 genau 9,0 mm. Es können damit tatsächlich zwei verschiedene, nicht miteinander kompatibele Systeme entstehen, denn die Modellbahnfreunde Siebengebirge müssten bei konsequenter Umsetzung obiger Überlegungen das Radsatzinnenmass auf 7,9 mm vergrössern, wodurch die Fahrzeuge mit dem kleineren Radsatzinnenmass von 7,5 mm nicht mehr über deren Anlage fahren könnten. Das bedeutet, dass zukünftig unter dem Begriff H0e Unterschiede zwischen den Spurweiten gemacht werden müssten - eigentlich eine logische Schlussfolgerung bei konsequenter Einhaltung der 1:87 - Umsetzung.

Aber - es wird alles nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird, denn mehrere Praxistests mit meinem Modul 'Waterloo' der Gartetalbahn nach H0e-SchmalsPUR-Normen haben gezeigt, dass LILIPUT, BEMO, WEINERT und PANIER sowie einige Selbstbau-Fahrzeuge ohne Umbau durch die Weichen nach u. g. Massen fuhren! Mit MODEL LOCO Fahrzeugen und einigen WEINERT Wagen funktionierte es nicht, da deren Spurkränze zu breit sind! Die nächsten Monate und entsprechende Betriebserfahrungen in Modularrangements werden zeigen, inwieweit die SchmalsPUR-Vorschläge noch modifiziert werden müssen.

Und nach dem ersten folgt sogleich der zweite Streich:

Da die Spurweite mit 8,6 mm absolut vorbildlich ist, muss man bei dem möglichen weiteren Schritt in Richtung H0e:87 keine Anpassungen der Spurweite mehr vorzunehmen. Und die Flügelschienen in den selbstgebauten Weichen kann man mit einem heissen Lötkolben neu positionieren - man verabschiedet sich dann aber aus der Kompatibilität mit den anderen Modulbesitzern, kann seine Räder aber in der Radbreite auf das vorbildgerechte Mass von ca. 1,2 - 1,3 mm bringen (einige Vorbild - Räder waren ohnehin breiter, als die im obigen Beispiel angeführten Treibräder der HF110C). Und dass sich Anlagen mit diesen Rädern betriebssicher betreiben lassen, können J. Emmermann vom FREMO-N-FineScale und schon viel länger die britische 2 mm-Society bestätigen!

Also: über SchmalsPUR zu H0e/m/n2:87. Ich sehe den grossen Vorteil dieses Vorgehens darin, dass man sich nicht wie die H0-pur-Gemeinde von der existierenden Welt abnabeln muss, sondern weiter - wenn auch unter bestimmten Bedingungen - eine Verbindung möglich ist. Evolution statt Revolution.

H0m habe ich dabei nicht vergessen, denn alles hier Ausgeführte lässt sich direkt auch auf diese Spurweite übertragen. Die heutige Spurweite von 12 mm entstand 'historisch'. Rechnerisch wären 11,5 mm korrekt. In den folgenden Tabellen habe ich die (bereits bewährten) Maße für H0e-SchmalsPUR direkt auf H0m-SchmalsPUR und H0n2-SchmalsPUR übertragen. Für alle Spurweiten wird das H0pur®-Radprofil verwendet! Hierfür sprechen zwei wesentliche Gründe:

Wie bereits oben ausgeführt, sind die Abweichungen nicht so gravierend, dass die meisten Leute sie überhaupt wahrnehmen würden.

Man kann sich von jedem Radsatzabdreher (TEICHMANN, WITTEYER, HEINRICH (Meißen) etc. Radsätze ohne Investitionen in weitere Drehstähle herstellen lassen!

Zum Abschluss eine Tabelle sowie eine Skizze, welche die wichtigsten Gleis- und Radabmessungen im Vergleich zu bestehenden Normen für H0e aufzeigt - Daten für H0m und H0n2 schließen sich an.

Anzumerken ist noch, dass die meissten leute sich schwer tun werden 1/100 mm zu messen - in der Praxis wären die 1:87 Abmessungen auf das nächste 1/10 aufzurunden.

Vorbild, 1:87 Modellmasse,
2 mm-Scale, N-NEM, N-Finescale und
H0e-SchmalsPUR im Vergleich
  Vorbild 1:87 2 mm -Scale N - NEM N Fine-scale H0e -Schmal-sPUR  
Weichenabmessungen
TG 750 8,60 9,42 9,00 9,00 8,60 Spurweite Gleis (min)
GW 10 0,11 0,10 -- 0,20 0,10 Spurerweiterung (in Weichen)
GW 10 0,11 0,10 -- 0,20 0,20 Spurerweiterung (Strecke)
WF 30,5 0,35 0,56 0,80 0,50 0,60 Flügelschiene (Abstand)
CF 30,5 0,35 0,48 0,90 0,50 0,60 Radlenker (Abstand)
BC 689 7,92 8,38 7,30 8,00 7,40 Fl.-schiene-Radlenker (max)
FC 231 2,66 -- -- -- 4,20 Herzstückspitze-Zwischenschiene (Abstand) bei Weiche 1:7
Radsatzmasse
WG 740 8,50 9,12 8,70 8,80 8,40 Spurweite Radsatz
BB 690 7,93 8,51 7,40 8,20 7,60 Radsatzinnenmass (min)
OT 940 10,80 11,10 11,80 10,60 10,70 Radsatzaussenmass (min)
Spurkranz und Rad
TW 125 1,44 1,30 2,30 1,30 1,55 Radbreite (min)
TR 95 1,09 1,00 1,70 1,00 1,19 Laufflächenbreite (min)
FW 30 0,34 0,30 0,60 0,30 0,36 Spurkranzbreite (max)
FD 21,75 0,25 -- -- 0,30 0,30 Spurkranzhöhe (min)
FD 25 0,29 0,51 0,90 0,50 0,32 Spurkranzhöhe (max)
FR 12 0,14 0,13 0,45 0,10 0,14 Ausrundungsradius Lauffläche/Spurkranz
TC 2,86° 2,86° Laufflächenwinkel

1:87 Modellmasse,
H0m-SchmalsPUR und H0n2-SchmalsPUR
im Vergleich
  Vorbild 1000 mm 1:87 H0m - Schmal-sPUR Vorbild 600 mm 1:87 H0n2 - Schmal-sPUR  
Weichenabmessungen
TG 1000 11,49 11,60 600 6,90 7,00 Spurweite Gleis (min)
GW 10 0,11 0,10 10 0,11 0,10 Spurerweiterung (in Weichen)
GW 10 0,11 0,20 10 0,11 0,20 Spurerweiterung (Strecke)
WF 30,5 0,35 0,60 33 0,38 0,60 Flügelschiene (Abstand)
CF 30,5 0,35 0,60 33 0,38 0,60 Radlenker (Abstand)
BC 939 10,79 10,40 534 6,14 5,80 Fl.-schiene-Radlenker (max)
FC 231 2,66 4,20 231 2,66 4,20 Herzstückspitze-Zwischenschiene (Abstand) bei Weiche 1:7
Radsatzmasse
WG 990 11,34 11,40 594 6,83 6,80 Spurweite Radsatz
BB 940 10,80 10,60 538 6,18 6,00 Radsatzinnenmass (min)
OT 1190 13,68 13,70 834 9,59 9,10 Radsatzaussenmass (min)
Spurkranz und Rad
TW 125 1,44 1,55 120 1,38 1,55 Radbreite (min)
TR 95 1,09 1,19 92 1,06 1,19 Laufflächenbreite (min)
FW 30 0,34 0,36 28 0,32 0,36 Spurkranzbreite (max)
FD 21,75 0,25 0,30 25 0,29 0,30 Spurkranzhöhe (min)
FD 25 0,29 0,32 27 0,31 0,32 Spurkranzhöhe (max)
FR 12 0,14 0,14 10 0,11 0,14 Ausrundungsradius Lauffläche/Spurkranz
TC 2,86° 2,86° 2,86° 2,86° Laufflächenwinkel