FREMO

Freundeskreis Europäischer Modellbahner eV.

15.06.2005

Verbesserung des Qualitätsstandards der
FREMOdule (H0 Europa)

Vorbemerkung

Bei Treffen fällt immer wieder auf, daß durch Verwendung von teilweise kraß unterschiedlichen Materialien bzw. Farbtönen auf den Modulen verschiedener Erbauer keine optische Einheit der freien Modulstrecken gelingt. Dies selbst dann, wenn ausschließlich fertig gestaltete Module eingebaut werden.
Es hat sich daher ein Interessentenkreis die Aufgabe gesetzt, Vorgaben zu entwickeln, die es jedem interessierten Modulerbauer ermöglichen sollte, Module zu gestalten, die als optisch zusammengehörende Einheit zusammengeschraubt werden können. Hierbei liegt es in der Natur der Sache, daß die gestalterische Freiheit in Teilbereichen eingeschränkt wird. Wir sind jedoch der Meinung, daß dies durch den Augengenuß eines größeren Streckenabschnitts "aus einem Guß" mehr als aufgewogen wird. Im übrigen soll eine Empfehlung im gestalterischen Bereich nicht dazu führen, daß künftig nur noch "Einheitsgrün" auf allen möglichen (und unmöglichen) Modulflächen vorherrschen soll.
Eine solche Standardisierung soll sich in erster Linie auf einen noch zu definierenden Bereich um die Modulstirnseite beziehen.

Diese Vorschläge sollen die bestehende Norm ergänzen.

Modulkasten und Mechanik

Verwendet wird das B88 Endprofil aus min 12mm Tischlerplatte. (Die ursprüngliche Empfehlung "Limba-Sperrholz" hat sich überholt. Tischlerplatte ist bei gleicher Materialstärke leichter, weil es nicht so stark gepreßt wird und dabei trotzdem stabiler.)
Dieses erhält 5 12 mm Bohrungen und wird mit M8 Schrauben und Flügelmuttern unter Verwendung von 25 mm Karosseriescheiben zusammengeschraubt.

Die Modulkasten Außenfläche ist braun RAL 8011Matt. Die Modulkastenseitenwände nicht zu stark zerklüften. Eine sanft geschwungene Kante macht sich im Arrangement besser als eine Folge von tiefen Gräben, Schluchten, Felsabbrüchen oder dergleichen.

Die Schienenoberkante liegt 1,30 m über Fußboden. Die letzte Schwelle eines Moduls liegt mit ihrer Kante unmittelbar an der Modulkante. Die Schienenprofile enden plan mit der Modulstirnseite und werden nicht mit Schienenverbindern verbunden. Die Schienenprofile sind auf der letzten Schwelle ausreißsicher zu befestigen, z.B. auf kupferkaschierte Pertinaxschwellen oder eingeschraubte Messingschräubchen löten. (genagelte Befestigungen haben sich nicht bewährt). Damit wird erreicht, daß die Spurweite an den Übergängen gewahrt bleibt. Außerdem verhindert diese Anordnung das Ausbröseln von Schotter am Modulübergang. Beim Zusammenstellen der Module entsteht auf diese Weise am Modulübergang eine Doppel- oder sog. Kuppelschwelle. Dies ist durchaus nicht vorbildwidrig.
Hinweis: Die Schienenprofile sind damit auch in ihrer Länge fixiert und können bei Temperaturschwankungen erhebliche Kräfte ausüben, die bis zur Zerstörung des Oberbaus führen können. Eine Ausdehnungsfuge mittig im Modul wäre bei Modullängen ab ca. 70 cm sinnvoll.
Die Gleistrasse ist absolut eben auszuführen. Hierzu mindestens 10mm Sperrholz verwenden. Bewährt hat sich 7-lagiges Birkensperrholz. Dieses Trassenbrett muß mindestens alle 40 cm mit Querstreben versteift sein, um Durchhängen zu vermeiden. Besser ist das Aussteifen mit einem hochkant unter das Trassenbrett geleimten Sperrholzstreifen (T-Träger-Prinzip). Sperrholz ist auch hier besser geeignet, da Holzleisten die Gefahr von Verzug mit sich bringen. Es ist jedoch darauf zu achten, daß ein ausreichender Handfreiheitsraum an der Zentralschraube erhalten bleibt.
Der Modulkasten muß mechanische Stabilität aufweisen. Modulstirnfläche und Trassenbrett müssen im rechten Winkel und lotrecht zueinanderstehen.

Gleise

Für Hauptgleise bzw. von Zugfahrten berührte Fahrwege werden Code 83 Profile von Schumacher, Pilz-Elite (Code 83) oder Peco Fine Scale (Code 75) verwendet.
Roco Line hat leider einen sehr breit wirkenden Schienenkopf sowie eine ungeeignete Herzstückkonstruktion zum Befahren mit RP 25 Radsätzen und scheidet daher nach Meinung der meisten befragten Interessenten aus.
Es gibt aber die Möglichkeit die Herzstücke komplett auszutauschen, damit sind diese Weichen für NEM und RP25 einsetzbar.

Damit ist gewährleistet, daß alle NEM gerechten Fahrzeuge problemlos durchzuschleusen sind.
Nebengleise dürfen auch mit niedrigeren Profilen ausgestattet werden, jedoch ist darauf zu achten, daß diese Gleise für RP 25 Radsätze befahrbar bleiben.
Mindestradius für die Freie Strecke: 2000 mm. Für von Zugfahrten berührte Fahrwege werden Weichenradien von min 1500 mm mit einem Herzstückwinkel von max. 10° vorgesehen. (z.B. große Peco Weiche). (Bogenweichen nach Möglichkeit vermeiden, Radien auch nicht unter 1500 mm).
Für nur von Rangierfahrten berührte Fahrwege werden Weichenradien von min 850mm mit Weichenwinkeln von max. 12,5° vorgesehen.( z.B. mittlere Peco Weiche oder Pilz Elite)
Anmerkung: die schärfste beim Vorbild eingebaute Weiche hat einen Abzweigradius von 190 m, d.h. im Modell 2200 mm!)
Für den Weichenantrieb ist die manuelle Betätigung mittels Zug-/Druckstange anzustreben, da hiermit die Betätigung von beiden Seitenflächen aus möglich ist.
Bauvorschlag: Joachim Sichler in Bahn&Modell 10/88
Für ferngestellte Weichen ist ein motorischer Antrieb, z.B. Brawa (baugleich mit Lemaco und Fulgurex), NMW oder Circutron Tortoise vorzusehen.
Eine vergleichende Übersicht 'Weichenantriebe' wird derzeit (März 2004) erstellt.
Die Gleise und insbesondere die Weichen sind für ein Radsatzinnenmaß von 14,3 +0,1 mm einzurichten. Hierfür sind die Schumacher Weichenbausätze zu überarbeiten, da hier im Radlenkerbereich ein Spurmaß von 14,6mm eingestellt ist. (Radlenker ablöten, bearbeiten und mit neuem Maß wieder anlöten) Die Peco-Weichen werden im Bereich des Antriebs optisch verfeinert.
Herzstückpolarisierung ist zwingend erforderlich. Dazu sollte ein separater Umschalter und nicht die Versorgung über die anliegende Weichenzunge gewählt werden.
Wichtig ist die durchgehende und sichere Stromversorgung innerhalb des Schienenverlaufs der Weiche. Hierzu muß insbesondere die Peco Weichenzunge (wie übrigens auch die Roco Weichen) durch eine gelötete Drahtverbindung mit Strom versorgt werden.
Vorschläge dazu in:
Martin Balser; Elektrische Probleme bei Weichen im DCC-Betrieb
Hp1 IV/98 S.19-20

Bahnhöfe

Bahnhöfe müssen für mindestens 30 Achsen lange Züge aufnahmefähig sein. D.h. für Züge mit einer Länge von rund 2,20 m muß eine Zugkreuzung möglich sein.
Dies ist auch eine sehr umstrittene Forderung. Ich war versucht, diese Forderung fallen zu lassen. Bei folgender Betrachtung macht sie aber wieder Sinn: wird ein Streckenast aus vier Bahnhöfen mit Ng´s bedient und fordert jeder Bf nur 4 Wagen an, sind das in Summe schon 32 Achsen!
Ausnahme: wenn die maßstäbliche Umrechnung eines Vorbildbahnhofs kleinere Längen ergibt.
Anm. des Verfassers: solche Bahnhöfe dürften bei dem eigentlichen Fremo Betrieb, der im Grunde Hauptbahnähnlichen Charakter hat, überfordert sein.)
Betriebsstellen, die vom Zugpersonal bedient werden, müssen von beiden Seiten aus bedienbar sein. (Weichenantriebe!)

Zu einem Bahnhof gehört eine freie Strecke von mindestens 1 m Länge an jedem Ende als Ausziehgleis.
Nach Möglichkeit soll der Bahnhof durch ein Einfahrsignal gesichert sein. Wenn ESig vorgesehen ist muß dieses auch funktionieren.
Nach Möglichkeit ist die Funktion einer Indusi nachzubilden, d.h. bei HP 0 zeigendem Signal ist der hinter dem Sig liegende Gleisabschnitt stromlos zu schalten, so daß Lokführer, die trotzdem durchfahren, gestoppt werden können. (****Bauvorschlag erforderlich****)
Anmerkung: Bei DCC Betrieb ist uns keine richtungsabhängige 'Indusi' bekannt, die einfach und zuverlässig ist.

Elektrik

Unter den Strecken muß eine Parallelleitung mit mindestens 1,0 mm2 Leitungsquerschnitt gelegt werden (z.B. Lautsprecherkabel NYFAZ Zwillingslitze 1,5 mm2 , Conrad Nr. 60 78 00-44). Die Anzapfung zu den Schienen erfolgt mindestens 2x pro Modul. An der Modulstirnseite werden 4mm Buchsen ohne Farbkennzeichnung (z.B. Conrad Nr 73 37 33-44) für die elektrische Verbindung unter den Modulen angebracht. Diese werden geometrisch eindeutig, d.h. rechte Schiene - rechte Buchse, mit der Parallelleitung elektrisch verbunden. Alle elektrischen Verbindungen sind sauber zu verlöten. Es ist darauf zu achten, daß der Lochbereich innerhalb des Modulkastens genügend Handfreiheit für das Zusammenschrauben der Module bietet und frei von fliegenden Strippen bleibt (Abreißgefahr).
Zu jedem Modul gehört ein Verbindungskabelpaar aus einer blauen und einer roten Leitung, Länge 50 cm, mit je min 1 mm2, die an jeder Seite mit einem 4 mm Bananenstecker in den entsprechenden Farben versehen sind. (Leitung z.B. Silikon- Meßleitung Conrad Nr. 13 79 36-44 bzw. 13 79 10-44; Bananenstecker z.B. Conrad Nr. 73 02 38-44 bzw. 73 02 03-44)

Folgende Idee von Klaus Richrath (veröffentlicht in HP1 Modellbahn Heft 97/01) dazu:
An jedem Modulende wird die jeweils in Fahrtrichtung gesehene rechte Schiene fest mit einem Kabel mit Stecker verbunden. Die linke Schiene erhält Anschluß an eine Buchse.

Anschluss der Parallelkabel (Hetero-Prinzip)

Dadurch ist eine Vertauschung von rechter und linker Schienenleitung absolut ausgeschlossen und der Aufbau kann dadurch zügiger vonstatten gehen. Außerdem können keine Kabel verloren gehen und es sind immer alle Kabel zur Verbindung zum Nachbarmodul am Modul vorhanden.
Hinweis zum Vermeiden von herunterhängenden Steckerleitungen während des Transports:
Im Modulkasten wird eine Haushaltswäscheklammer angebracht, die die Steckerleitung festklemmt.

Gleisgestaltung

Es sind braunbunte Schottermischungen zu verwenden. Versuche laufen derzeit mit Vaupel 202/4, Rainershagener 7447 und mit ASOA 1401/ 1701 im Verhältnis 1:1 gemischt. Verklebung bisher mit den vom Anbieter empfohlenen Klebern (Wenn mit unterschiedlichen Schottersorten/Klebersorten gleiche Ergebnisse erzielt werden um so besser) (Die ASOA Variante ist bisher noch nicht aufgetaucht, kann daher nicht beurteilt werden.)

Schwellenroste werden mit Humbrol HU 170 Brown Bess oder Humbrol HU 173 Track Colour eingefärbt.
Kuppelschwellen in der freien Strecke vermeiden. Wenn dann max. alle 30 cm und dann auch nur auf einer längeren zusammengehörigen Modulgruppe.

Die Schienenprofile sind mit Humbrol HU 62 Leather / Molak 12 M einzurosten. Von einer Kleineisenfärbung wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt abgeraten. Die bisherigen Ergebnisse sind nicht befriedigend. Wer trotzdem herangehen möchte, sollte folgende Hinweise beachten:
Ein vollflächig deckender Farbauftrag mit der Schienenrostfarbe ergibt leicht eine zu leuchtende, ins Auge springende und unrealistische Wirkung. Besser ist nach dem Schottern ein "Überhauchen" mit einer fein sprühenden Airbrush oder ein vorsichtiges einpudern mit Rainershagener 7996 (Bremsstaubpuder).

Randweg mit Rainershagener Schaufelsplitt Nr. 7440 oder Vaupel 205/8 erstellen.

Landschaftsgestaltung

Min 15 cm von jeder Modulstirnseite aus wird als Grund-Streumaterial Woodland Blended Turf Green Blend T49 verwendet. Diese Grenze auf keinen Fall scharf ausbilden , wenn noch andere Landschaftsspielarten auf dem gleichen Modul dargestellt werden sollen! In der Natur gibt es nur weiche, fließende Übergänge.
(Andere Stirnseiten-Landschaftsgestaltungen sind denkbar und werden derzeit auf verschiedenen Probemodulen ausprobiert.)
Die Modulkastenstirnseiten erhalten etwa 2cm unter der Oberflächenkante einen Grünanstrich in der Farbe der Oberfläche, um bei leichten Kantenversprüngen keine optischen Farbwechsel zu erzeugen.
Der Untergrund der Landschaftsgestaltung sollte mit erdbrauner Farbe vorbehandelt werden. Dadurch kommt eine Art Bodeneffekt zustande.(Hierzu empfiehlt Rainer Lipp: Grundierpuder 1920 und Spachtelpuder 1930 mit Vegetationspuder braun oder Ackerboden mischen.)
Der Wassergraben erhält möglichst natürlich aussehende Vegetationsdarstellungen. Jedoch keine Verwilderungen! Zu Dampflokzeiten wurden die Brandschutzstreifen regelmäßig zurückgeschnitten!
Evtl. wird es erforderlich sein, die Streu- bzw. Flockmaterialien mit einem Mattlack zu übersprühen. Überhaupt sind für Vegetationen nur natürlich wirkende Materialien anzustreben.

Sonstiges

Elektrik: Sauberes Verlöten. Übersichtliche Verlegung. Keine lose hängende Griff-Fallen. Keine Klingeldrähte verlegen (Bruchgefahr). Litze ist in dieser Hinsicht wesentlich unempfindlicher. In größeren Betriebsstellen werden die einzelnen Leiter auf eine Lötleiste gelegt. (Vereinfachte Fehlersuche). Für vielpolige Verbindungen sind Sub D Steckverbindungen (ähnl. Druckerkabel) zu verwenden. Hierbei auf die Ausführung mit Lötkelchen achten. Lötstifte bergen die Gefahr von Kurzschlüssen.(z.B. Conrad 74 16 63-44 ,15 -polige Stiftleiste; Conrad 74 16 80-44 dazugehörige 15-polige Buchsenleiste; 71 12 09-44 Steckergehäuse; insgesamt ca. DM 5,50)
Nicht mehr als 25 polige Verbindungen mit einem Stecker ausführen, die Steck- und Trennkräfte werden sonst zu groß.

Kritik

Anregungen, Anmerkungen, Erfahrungen und natürlich auch Kritik sind jederzeit willkommen.

Lieferantenanschriften:

Hobby-Ecke Schuhmacher   
Lerchenhofstraße 18
71711 Steinheim an der Murr
 
Gleisnägel, Weichenbausätze, Schienen und Schwellen
Conrad Elektronik
Klaus Conrad Straße 1
92240 Hirschau
Ladengeschäfte in verschiedenen Städten
 
Steckverbindungen, Kabel, Buchsen, Kupferkaschierte Platten (Versandkatalog)
Dr. Ing. Horst Vaupel
Postfach 1233
38678 Clausthal Zellerfeld
 
Schotter und Brechsande
Rainershagener Natural Products
by Rainer S. C. Lipp
Graßhoffstraße 40a
32425 Minden
0571/ 42464
 
Schotter, Splitt, Sande, Bodenmaterial
Vegetationsmaterial, Puder, Kleber, komplettes künstlerisches Angebot zur Landschaftsgestaltung
Rainer scheint sich zur Ruhe gesetzt zu haben ??
ASOA
Klaus Holl
Postfach 44 01 40
8000 München 44
 
Schotter
Modellbahnen Uwe Hesse
Landwehr 29
22087 Hamburg
Fax +49-40-2504261
 
Peco und Pilz Gleismaterial

Diese Empfehlungen sind seit ihrer Formulierung im Jahre 1999 für viele Mitglieder - zumindest in Teilbereichen - Standard geworden. Teilweise wurden diese Vorschläge in den Gruppen H0-fine und H0QS aufgegriffen.