FREMO

Freundeskreis Europäischer Modellbahner eV.

15.05.2000

Eine digitale Alternative ?
Digital fahren nach dem SX-Protokoll - ein Angebot

von Wolfgang Deutschmann
(Hp1-Modellbahn IV/98)

Ich möchte an dieser Stelle weniger über das Selectrixsystem, sondern über das von Adolf Haass entworfene und von Döhler&Haass (D&H) als Patent gehaltene Sx-Protokoll informieren.

Hierzu zuerst eine Beschreibung der derzeitigen Marktsituation: Mit dem Kauf der Firma TRIX hatte die Firma MÄRKLIN die exklusiven Vermarktungsrechte des Sx-Protokolles erworben, die bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich bei der Firma TRIX lagen (Selectrixsystem 2000). Im Juni 1998 wurden diese Verträge von D&H aufgekündigt und die Fa. MÄRKLIN behielt die allgemeinen Vertriebsrechte für das Selectrixsystem ohne Exclusivrechte auf das Sx-Protokoll. Für D&H besteht seit dem die Möglichkeit, Lizenzverträge für die Vermarktung des Sx-Protokolls beliebig abzuschließen.

Mit der Fa. MÜT und der Fa. BENZIN wurden bereits Lizenzverträge abgeschlossen.
Die Fa. MÜT hält ein komplettes Programm vor und signalisiert ständige Lieferbereitschaft. Die Entwicklung einer Zentraleinheit für das Sx-Protokoll ist in der Prototypenphase. Ein kräftiger Lokdecoder für die LGB wird ebenfalls angeboten.
Die Fa. BENZIN liefert den ROCO-Kran mit einem Sx-Decoder (Anschriften für Informationsmaterialien s.u.). Weitere Lizenzvergaben sind (Stand Okt. 98) mir nicht bekannt.

Nach Durchsicht vieler Kataloge und deutschsprachiger Systembeschreibungen digitaler Modellbahnsteuerungen entschied ich mich, das neue Selectrixsystem 2000 von der Firma Trix auf seine FREMO-Tauglichkeit hin zu überprüfen. Bevor ich an den Kauf der notwendigen Gerätschaften ging, sicherte ich mir die jederzeit abrufbare theoretische Begleitung des Entwicklers, Herrn Haass zu. Da Herr Haass kein Mitarbeiter des Hauses Trix war und ist, rechnete ich mit einer neutralen Bewertung meiner Anliegen. Danach beschaffte ich die Ausrüstung, die zum Betreiben eines Modularrangements erforderlich ist:

Die Zentrale (CentralControl 2000) hat eine externe Stromversorgung. Die Zentraleinheit selber kann nur Decoder mit den Adressen eins bis neun ansprechen und programmieren. Um den gesamten Programmierbereich von 99 Lokadressen nutzen zu können, mußte ein Zusatzgerät (LokControl2000/ ControlHandy) beschafft werden. Die Übertragungsgeschwindigkeit und Wiederholfrequenz sind beim Sx-Protokoll von der zu transportierenden Datenmenge unabhängig. Es können maximal je 99 Einsteckbuchsen, Regler und Triebfahrzeuge mit Selectrixdecoder angeschlossen werden. Ich habe den Sx-Bus vorerst (!!) für 200 m Modullänge mit 48 Boxen, mit je drei Reglereinsteckbuchsen ausgebaut und von unserem FREMO-Mitglied Karl Eisermann (Informatiker) unter den verschiedensten Prüfbedingungen ausmessen lassen. Die Stabilität der Signalverarbeitung und -weiterleitung lassen eine sichere Verdoppelung der Buslänge zu (gerechnet könnte sogar eine Buslänge von >500m erreicht werden). Da es sich um ein offenes System handelt, kann der Sx-Bus linear, verzweigt, sternförmig oder ringförmig verlegt werden. Die in Lilienthal eingesetzten Kabelquerschnitte konnte ich durch Verwendung kapazitätsarmer, verdrillter Leitungen deutlich verringern.

Als Handregler stehen drei verschiedene Modelle zur Verfügung, zum einen ein Drehknopfregler der Firma MÜT und zum anderen zwei Tastenregler der Firma Trix (Combi Control & ControlHandy).
Ich bevorzuge den etwas gewöhnungsbedürftigen, aber ungewöhnlich sicheren Tastenregler CombiControl. Bei diesem können jederzeit Adresse und Betriebszustand über ein Anzeigenfeld abgelesen werden.
Wird bei dem MÜT-Drehknopfregler während des Umsteckens der Drehknopf versehentlich verstellt, kommt es nicht zu sprunghaften Geschwindigkeitsänderungen oder zum Stillstand der Maschine. Leider geht die in drei Stufen einstellbare Massensimulation während des Umsteckens verloren. Die Firma MÜT hat die Beseitigung dieses Mangels fest zugesagt.
Der Tastenregler ControlHandy ist für den allgemeinen FREMO-Betrieb ungeeignet. Die Vielfalt der Funktionen und Einstellmöglichkeiten werden nicht benötigt.

An den Ausgabebus (Sx-Bus) werden die Fahrstromverstärker (Booster) angeschlossen. Diese werden dezentral von einem Trafo mit 12 - 18 V Wechselspannung versorgt. Diese Booster zeichnen sich durch eine automatische Kurzschlußsicherung aus, die sofort nach Beseitigung des Kurzschlusses den Fahrstrom wieder freigibt. Während des Kurzschlusses kann das betreffende Triebfahrzeug beliebig angesteuert werden. Nach Beseitigung des Kurzschlusses werden die neu eingestellten Daten sofort übernommen. Die Begrenzung auf einen Dauerstrom von 2,5 A halte ich für sinnvoll, damit gerade unsere kleinen und kleinsten Rangiermaschinen mit den feinen Stromabnehmern (wir hatten Köf I-III in Betrieb) bei Kurzschlüssen, z.B. in falsch gestellten Weichen, keinen Schaden nehmen. Diese Booster werden sowohl von der Firma Trix (PowerPack2000) als auch von der Firma MÜT in zwei Varianten mit unterschiedlichen Stromstärken (z.B. 6A für LGB) angeboten. Die Booster beider Firmen können in beliebiger Reihung an den Sx-Bus angeschlossen werden. Die oben beschriebene Modullänge kann ich z.Z. in bis zu zwölf Boosterbezirke auftrennen.

Bei den Decodern werden zwei Typen, je nach Stromaufnahme der Motoren, angeboten. Der kleinere Typ (bis 500mA) ist der kleinste derzeit auf dem Markt befindliche Decoder. Das Programmieren bei Neueinbauten kann in wenigen Minuten vollzogen werden: Adresse, maximale Geschwindigkeit, Brems-/Beschleunigungsverhalten, Motoranpassung. Bei Adressendoppelbelegung z.B. bei FREMOtreffen kann die Adressänderung in wenigen Sekunden vorgenommen werden. Über den Fahrregler werden zusätzlich die Lichtfunktion, die Massensimulation und u.a. Horn/Telexkupplung aktiviert. Ebenso kann die Lok durch Nullstellung der Höchstgeschwindigkeit in Sekunden auf Analogbetrieb programmiert werden. Von der Firma Benzin gibt es für den Kran der Fa. ROCO einen speziell für das Sx-Protokoll entwickelten Decoder, der diesen so hervorragend steuert, daß das Spiel damit zur Lust wird. Viele FREMO-Freunde konnten sich bereits davon überzeugen.

Von den Firmen SB, Olching und Euromodell, Olching ließ ich insgesamt sieben Maschinen mit Faulhaber-Motoren und Selectrixdecodern ausrüsten. Fahreigenschaften, Geräuscharmut, Regelbarkeit und Programmierung lassen keine Wünsche mehr offen. Es funktioniert!

Die Erfahrungen auf dem ersten Digitaltreffen des FREMO in Bruchköbel 1997 und die Beobachtungen und weiteren Erfahrungen auf der Jahrestagung 1998 in Bremen-Lilienthal bestätigten mir die Richtigkeit meiner Entscheidung für das Sx-Protokoll. Aus meiner Sicht kann der Einsatz des Sx-Protokolles für den FREMO ohne "Wenn und Aber" empfohlen werden. Auch die in Lilienthal vielbeschäftigten "Rotkäppchen" könnten sich dann wieder ihrer Spielleidenschaft hingeben.

Zum Abschluß seien noch die Anschriften der zwei in diesem Beitrag genannten und relativ unbekannten Hersteller genannt:
MÜT GmbH
Neufeldstraße 17
85232 Bergkirchen
Telefon: 08131/71045     
FAX: 08131/80866
http://www.muet-digirail.de/
Ing. J. Benzin
Am Plan 17
92342 Mörsdorf
Telefon: 09179/1513
FAX: 09179/1569