FREMO

Freundeskreis Europäischer Modellbahner eV.

08.06.2005

Schattenbahnhöfe

sind eine Eigenart bei der Modellbahn und haben keine Entsprechung beim Vorbild. Sie repräsentieren die Welt ausserhalb des auf der Anlage dargestellten Teils der Erde.
Es wird hier - besonders in der amerikanischen Literatur - sehr oft der Vergleich mit einer Theaterbühne vorgenommen. Die sichtbare Anlage ist die Bühne und die Züge verschwinden in den Kulissen ähnlich den Schauspielern, die auf Ihren nächsten Auftritt warten.
Es gibt Schattenbahnhöfe in verschiedenen Erscheinungsformen.

Der klassische Schattenbahnhof

in der amerikanischen Presse auch 'passive staging' genannt, dient lediglich zum Abstellen kompletter Zuggarnituren, die später wieder unverändert abgerufen werden.
Sie sind häufig in einer zweiten Ebene untergebracht oder liegen anders im Schatten. Eine Behandlung der Zuggarnituren ist nicht gewünscht und in vielen Fällen auch gar nicht möglich. Oftmals ist die Kapazität eines solchen Schattenbahnhofs das Nadelöhr für den Betrieb, da zuerst bestimmte Züge den Schattenbahnhof verlassen haben müssen, bevor andere einfahren können.
Wegen der versteckten/unzugänglichen Lage bedingen sie jedoch besondere Überwachungsmaßnahmen, wie Gleisbesetzmeldung oder Videokameras um Betriebsstörungen zu verhindern.
Solche Art Abstellbahnhöfe verwenden wir beim FREMO nicht, da bei uns die Züge immer wieder neu zusammengestellt werden.

Der 'Fiddle Yard'

Betrieb im Schattenbahnhof Ostende
Betrieb im Schattenbahnhof Ostende (ostende1.jpg)
   oder 'active staging' ist die zweite Art Schattenbahnhof. Einen einprägsamen deutschen Begriff gibt es hier bezeichnenderweise nicht. Frei übersetzt bedeutet fiddle yard etwa Grabbelbahnhof - hier werden die einzelnen Fahrzeuge mit den Händen manipuliert, ausgesetzt, beladen, von einem Zug in den anderen umgesetzt.
Die Schattenbahnhöfe beim FREMO sind ausschließlich von dieser Art.

Das Bild oben zeigt einen solchen Schattenbahnhof. Das Gleis ganz rechts ist das Einfahr-/ausfahrgleis. Links davon einige Abstellgleise, der gesamte Teil hinter der Schreibtischlampe ist eine Schwenkbühne.
An der linken Wand kann man die Regale und Fächer für Wagenkarten und Frachtaufträge sehen.

Ein schönes Beispiel für einen solchen Schattenbahnhof im Rahmen einer festen Anlage findet man bei der UCW (Utah Colorado Western), wo ein physikalischer Schattenbahnhof beide Enden der dargestellten Strecke repräsentiert. (In englischer Sprache)

Der 'Private' Fiddle Yard

dient als Erweiterung des individuellen Umfeldes und ermöglicht es, auch größere Industrien auf einer Betriebstelle zu repräsentieren.
In diesem Sinne ist sowohl eine größere von der Bedienerseite offene Halle, in die die Wagen beladen einfahren und leer herauskommen ein solcher privater fiddle yard, als auch eine einfache Platte, die an einen Bahnhof angeschlossen wird um ein ganzes Industriegebiet zu repräsentieren.
Auch das Streckenende einer Stichbahn mit den nicht darstellten letzten Betriebstellen und dem Endbahnhof kann durch einen solchen Schattenbahnhof repräsentiert werden.
Im Sinne der Betriebsabwicklung beim FREMO gelten die Ladestellen in diesen fiddle yards als innerhalb des dargestellten Landschaftsausschnitts real vorhanden und können damit auch Ursprung und Ziel von Frachtaufträgen sein.
Im Vergleich mit der Bühne müssen hier die Fahrzeuge auf dem gleichen Gleis wiederkommen auf dem sie das sichtbare Arrangement verlassen haben, genau wie ein Schauspieler, der wenn er im Badezimmer verschwunden ist, nicht plötzlich durch die Wohnungstür wieder hereinkommen kann ohne das Publikum zu verwirren.

Der FREMO Schattenbahnhof

stellt für das Arrangement die weite Welt ausserhalb des dargestellten Ausschnittes dar. Je nach Größe des Arrangements kommen auch mehrere Schattenbahnhöfe zum Einsatz.
Schattenbahnhöfe dieser Art haben per Definition eine unbegrenzte Aufnahmekapazität *1 und können daher von allen Betriebstellen immer als Ziel (oder Ursprung) von Frachtaufträgen genannt werden.

Um sicherzustellen, das die von den Besitzern vorbereiteten Frachtaufträge auch auf jedem Arrangement durchführbar sind, sollen dort nur Farben als Symbole für die Schattenbahnhöfe (die auf jedem Treffen eine andere Funktion haben können) verwandt werden und keine Namen.
Den tatsächlich auf einem Treffen vorhandenen Schattenbahnhöfen werden diese Farben zugeordnet. Dabei kann ein Schattenbahnhof mehrere oder auch alle Farben zugeteilt bekommen.

Welche Farben beim FREMO verwandt werden und deren gedachte Bedeutung lesen Sie bitte auf einer separaten Seite.

Bekannte FREMO-Schattenbahnhöfe sind:
Porta-Süd (für heutige Verhältnisse wegen geringer Nutzlänge zumeist nur als Streckenende zu nutzen), Nicolausen, Ostende, Westenholz, Konstanz, Reil-Roding, Meinerzhagen, Michelstadt, Falkenberg.
Da diese Schattenbahnhöfe alle in der 'weiten Welt' liegen bzw. die Verbindung des dargestellten Teils der Landschaft dorthin herstellen, sind auch andere Verbindungen zwischen diesen denkbar und es dürfen Fahrzeuge ohne Berührung des sichtbaren Arrangements zwischen ihnen ausgetauscht werden.


Anmerkungen:
*1 - Notfalls werden Fahrzeuge von der Anlage entfernt und auf Tischen abgelegt. [Haupttext]