FREMO

Freundeskreis Europäischer Modellbahner eV.

08.06.2005

East is to the right

ist schon beinahe eine klassische Formulierung in amerikanischen Modellbahnerkreisen. Ihren Ursprung hat sie in zwei Faktoren:
der üblichen Kartendarstellung mit Norden am oberen Kartenrand und der auf der Nordhalbkugel vorherrschenden Beleuchtung von Süden her, die beide eine Betrachtung von Süden nahelegen.
Hinzu kommt der Umstand, das es in den USA betrieblich einen Unterschied macht, ob ein Zug von Osten nach Westen bzw. von Norden nach Süden oder andersherum verkehrt, der amerikanische Eisenbahner also auch von daher besonders auf die (fahrplantechnische) Himmelsrichtung achtet.
In europäischen Modellbahnerkreisen ist eine solche Richtungsbezogenheit im allgemeinen kein Thema.

Auch die ersten (H0-Europa) FREMO-Endprofile A und B hatten eine niedrigere Betrachterseite (Süden) und eine höhere Hinterseite (Norden). Obwohl es nie ausdrücklich erwähnt wurde, ergibt sich damit Osten rechts und Westen links vom Betrachter.
Das Konzept einer Vorder- und Rückseite hat sich beim FREMO allerdings nicht durchgesetzt und schon bald entstanden Verdrehermodule, die zwei Ost- bzw. zwei Westseiten hatten. Später wurden in anderen Baugrößen von Anfang an symetrische Endprofile geschaffen und und auch bei H0-Europa gibt es solche Profile.
Insgesamt hat also ein FREMO-Arrangement keine besondere Ausrichtung nach Himmelrichtungen, obwohl einzelne Module durchaus eine bevorzugte Betrachter- oder Bedienerseite (das muss nicht immer das gleiche sein) haben können.

Andere Modulsysteme (z.B. Nordmodul) unterscheiden allerdings zwischen der 'Schauseite' (Süden) und der 'Rückseite' (Norden), ohne das allerdings als geografische Orientierung zu verstehen.

Lage der Modellbahn zur realen Welt

Es sind mir aus der deutschsprachigen Literatur nur wenige Beispiele für betriebsfähige Modellbahnanlagen bekannt, die einen konkreten geografischen Hintergrund haben. Dazu gehört die von diversen Veröffentlichungen bekannte Anlage 'Altenbeken' unseres langjährigen Mitglieds Rolf Ertmer und die 1998 in mehreren Etappen in der MIBA vorgestellte Anlage Laubacher Wald.

Häufiger sind Anlagen, die nur allgemein eine bestimmte Gegend darstellen, z.B. Bayern, ohne dabei allerdings konkreter zu werden. Die meisten Modellbahnbauer in Deutschland scheinen aber keine genaue Vorstellung von der gedachten Umgebung ihrer Anlage zu haben.

Einzelne Bahnhöfe werden schon allerdings auch in Deutschland öfter genau nachgebildet bzw. in der Presse als Bauvorschlag vorgestellt, so z.B. der Fischereihafen Altona mit dem Schellfischtunnel, die Bahnhöfe Mölln oder Markt Wald. Auch bei Clubanlagen findet man häufiger Nachbauten von Vorbildbahnhöfen, so zB. Gemünden am Main des MEC Hamburg.

Auch einige Bahnhöfe von FREMO-Mitgliedern haben konkrete Vorbilder, so z.B. Lauschbach, der wegen einiger kleinerer Abweichungen vom Vorbild Lauscha eben nicht so heißt; oder Albersdorf und Hohenweststedt (beide Heide-Husum) oder Worpswede.

Ganz anders sieht das Bild aus, wenn man in amerikanische Modellbahnzeitschriften schaut: Wenn nicht gleich ein ganz konkretes Vorbild nachgebildet wird, besteht doch zumindest häufig eine genaue Vorstellung über die Lage der dargestellten Orte und Bahnlinien auf dem amerikanischen Kontinent.
Da gibt es nie gebaute, aber vielleicht einmal geplante Nebenstrecken der bekannten, realen Bahngesellschaften; fiktive Ergänzungslinien des tatsächlichen Bahnnetzes oder komplett erfundene Bahnsysteme, die aber nach der Vorstellung ihrer Erbauer eine so konkrete Anbindung an das Vorbild haben, das man erst sehr spät bemerkt, das nach den ersten einleitenden Sätzen eines Berichtes die Fiktion beginnt. (Es gibt eine Reihe von Selbstdarstellungen solcher Anlagen auch im WWW zum Beispiel die Utah Colorado Western Railroad - eine kleine Liste mit weiteren Beispielen gibt es bei meinen Freunden der LDSIG.
Die wohl bekannteste dieser Anlagen war vielleicht die Allegany Midland, über die der Erbauer Tony Koester oftmals im Model Railroader geschrieben hat. Im Herbst 1999 wurde diese Anlage abgebrochen, um einer vorbildorientierten Anlage Platz zu machen.

Eine Suche nach Ursachen oder gar eine Wertung dieser Unterschiede kann naturgemäß nur oberflächlich bleiben.
Ich glaube allerdings, das das amerikanische Eisenbahnsystem mit vielen verschiedenen Bahngesellschaften mit ihren unvermeidbaren 'Interchanges' die Modellbahner stärker anregt, sich mit dem Anschluß ihrer Bahn an das kontinentale Bahnnetz zu beschäftigen. Andererseits fällt eine weitere (erfundene) Bahngesellschaft nicht als spielzeughaft auf, wenn die ganze Geschichte, die darum gesponnen wird glaubhaft ist.
Trotz oder gerade jetzt nach den Mega-Mergers der vergangenen Jahre mit nur noch vier großen Gesellschaften trifft das zu, weil diese viele Nebenlinien an regionale Interessenten abgestoßen haben, es also jede Menge Stoff für weitere Fortschreibungen der "Historie" gibt.
Deutsche Modellbahner bleiben im Gegensatz dazu eher bei der jeweiligen 'Staatsbahn', ohne sich weiter festzulegen.

Das FREMO-Arrangement in der Welt

wurde in allen Baugrößen nur allgemein definiert: am konkretesten ist dabei noch die Beschreibung der Rhätischen Bahn Module, die Motive dieser Bahngesellschaft nachbilden sollen und damit dem Vorbild entsprechend eine feste Beziehung zur übrigen Welt haben.
Auch die Norm für unsere amerikanischen H0-Module versucht eine Festlegung auf einen bestimmten Landschaftstyp, der allerdings immer noch in einem riesigen Areal zu finden ist.
In H0europa wird allgemein vom 'Rande des Mittelgebirges' ausgegangen, während es z.B. bei H0e heißt, das keine Widersprüche zu einer in der Nordeutschen Tiefebene gelegenen Landschaft auftreten sollen.

Alle diese Festlegungen betreffen die Gestaltung der Module, die ja trotz aller Unterschiede ein ansprechendes Ganzes bilden sollen.

Für den Betrieb auf einem Arrangement stellt sich die Standortfrage jedes Treffen aufs Neue. Da, wie erwähnt, einige unserer Bahnhöfe ganz bestimmte Vorbilder nachbilden, ist dabei so mancher Kompromiss notwendig, besonders wenn bei größeren Arrangements bestimmte Streckenäste nach bestimmten Vorbildern (Reichsbahn, NS oder ÖBB) gestaltet werden sollen.
Bei H0europa geht man im allgemeinen von einer Lage im Mittelgebirge der alten Bundesrepublik aus. Aber auch ein Arrangement im Bereich der DR ist denkbar.

Der FREMO Schattenbahnhof

Um den Teil der Welt, der auf dem Arrangement nicht dargestellt werden kann, zu repräsentieren, werden beim FREMO Schattenbahnhöfe benutzt.
Diese werden je nach Arrangement mit Farben kodiert, da ja zu jedem Treffen andere Mitglieder und damit auch andere Schattenbahnhöfe erscheinen, aber die Frachtaufträge dauerhaft gefertigt werden sollen. (Siehe die Seiten über Wagenkarten und Frachtaufträge sowie die Farbzuordnung bei Schattenbahnhöfen.